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Sinnige und unsinnige Sprüche II – Von Selbstzerfleischung und Seelenschmerz

Ein höchst heikles Thema ist es wohl heute.
Seelisches Leid, psychischer Stress, Angst, (seelischer) Schmerz etc. sind unglaublich wichtige und höchst sensible Themen.
Da ich selbst eine Posttraumatische Belastungstörung (kurz PTBS), mit mittelschweren Depressionen, SVV, Panikattacken, Ängsten und anderem hatte, sprech ich da aus (z.T. leidvoller und schmerzhafter) Erfahrungen.
Und ja, auch wenn sichs vielleicht im Verlauf des Postings hier und da vielleicht anders lesen wird… Aber ich habe völliges Verständnis für Menschen, die Krisen (wie „groß“ oder „klein“ sie auch sein mögen) zu bewältigen haben. Doch in jeder Krise, in jedem „Problem“ steckt auch ein unbeschreibliches Potenzial zu Wachstum und Entwicklung. – Auch dann, wenn uns das im ersten Augenblick nicht bewusst ist, wir es in dem Moment (auch verständlicher Weise!) nicht zu sehen in der Lage sind.

Ich bin heute zum Teil immer noch auf der Suche nach (psychologischen) Glaubenssätzen/Überzeugungen/Denkmustern, die mein Leben bestimmen/bestimmt haben, die mich sehr stark prägten und die sowohl förderliche als auch (extrem) limitierende Einflüsse auf mich, meine Lebensgestaltung, mein Denken, Fühlen und Handeln ausübten.
Ein Unterfangen, dass mich wohl mein gesamtes weiteres Leben beleiten und es mir immer wieder spannend und lehrreich gestalten wird ;).
Auf der Suche nach denselbigen erweist sich Facebook mittlerweile als eine recht reichliche Fundgrube.
Glaubenssätze, die auf die „richtige“ Sicht auf die Welt, unsere Beziehungen, oder aber auch auf unsere Rollen innerhalb der Gesellschaft oder auch als Mann und Frau abzielen. Ebenso Glaubenssätze, die unsere oder gesellschaftliche Moral und/oder Ethikvorstellungen  berühren oder solche, mit denen sich wunderbar die eigene (manchmal auch etwas verschrobene) Weltsicht/Einstellung/Hoffnung/Ängste… oder was auch immer mitteilen lässt/lassen. Und natürlich auch die, die von unseren verletzten Gefühlen, von Enttäuschungen, von unserer inneren (verdrängten) Wut erzählen…
Die Facette ist da unwahrscheinlich breit.

Und es finden sich natürlich immer wieder Menschen, die sich in ihren Glaubens-/Denkmustern bestärkt (und/oder verstanden) fühlen, die finden, dass eben dieses oder jenes Zitat, dieser oder jener Spruch besonders gut auf ihre Situation, auf ihr Denken und Fühlen passt, oder der schlicht und ergreifend besser ihre Gefühle und ihr denken ausdrückt, als sie es selbst tun könnten.

Ich bin da selbst auch so eine Zitate- und Sprüche-Sammlerin ;). Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen und verstehen ;).
Allerdings ziehen sich mittlerweile halt bei manchen Dingen so meine Zähennägeln nach Innen zurück.
Vor allen Dingen bei Sprüchen, mit denen man sich eigentlich eher selbst runter macht und die auf „Selbstzerfleischung“, „Selbstbemitleidung“, „Selbsterniedrigung“, u.ä. aber auch die Manipulation der ANDEREN hinauslaufen.

Besonders „nette“ Beispiele sind z.B. diese:
„Genau dann, wenn es am meisten schmerzt, lächelt man um den Schmerz zu verstecken…“
„Manchmal gibst Du alles doch kriegst nichts..“
„Manchmal hat man das Gefühl, andere mit seinen Sorgen und Problemen zu nerven. Deshalb schweigt man und weint alleine…“

Ich weiss, Selbstmitleid und auch „Jammern“ müssen manchmal einfach sein. Sie machen es uns einfacher, mit einer Situation umzugehen. Und ich finde, sie gehören ebenso zu „Seelenhygiene“ dazu, wie z.B. Abgrenzung oder Wut.
Gefühle sollen und müssen ausgedrückt werden, andernfalls werden wir krank.
Und trotzdem schwillt mir (mittlerweile) der Kamm, wenn ich sowas lese. Vermutlich „triggert´s“ mich auch schlicht und ergreifend deshalb, weil ich einerseits solche Phrasen früher selbst gern verwendet habe, um mein Innerstes auszudrücken (und ggf. entsprechende Reaktionen zu erhalten (siehe Aufmerksamkeit für mein Befinden, für meinen „Zustand“)), andererseits hab ich mir die „Befreiung“ von diesen „Glaubenssätzen“ ziemlich hart erarbeitet, weil ich (zumindest für mich) einfach erkannt habe, dass sie (wieder nur für mich) so einfach nicht stimmen und z.T. wirklich bös´ manipulativ sind, weil ich MEINE Verantwortung für MEIN Leben und MEIN Glück damit schlicht und ergreifend anderen überstülpe, und eigentlich nix anderes damit ausdrücke als „Ihr anderen seid Schuld, dass es mir schlecht geht, schließlich hört Ihr mir ja nicht zu/schenkt Ihr mir keine Aufmerksamkeit…“, „Ihr seid Schuld, das ich mich mit meinen Gefühlen alleine und einsam bin, das ich mich mit meinen Sorgen und Problemen alleine herumschlagen muss, weil Ihr mir nicht zuhören wollt, weil Ihr mir das Gefühl gebt, zu nerven.“

Dabei sind wir SELBST für unsere eigene Lage, für unsere Situation mit verantwortlich. Nur WIR können unsere Situation ändern. Niemand anderes sonst.
Ganz allein in UNSEREN Händen liegt der Schlüssel zum Glück. Oder wie ein altes Sprichwort sagt „Jeder ist seines Glückes Schmied“!

Manche_r wird nun sagen, dass ich das alles so leicht sage. Das ich mir das „so einfach vorstelle“. Und überhaupt seien natürlich auch andere mit für die eigene Situation verantwortlich. Die ganze „Schuld“ könne man ja wohl schlecht nur bei sich selbst suchen.
Nun, so „einfach“ stelle ich mir das mit großer Sicherheit nicht vor, und mit ebenso großer Sicherheit sage ich es nicht „leicht“ oder „einfach nur so“.
Ich war auf Grund meiner PTBS fast vier (noch mal V I E R) Jahre aus dem Verkehr gezogen-wobei ein Jahr davon eine sehr erfolgreiche einjährige Rehabilitations-Maßnahme war.
Ich war wirklich zu nichts mehr fähig, noch nicht mal zur Arbeit.
Ich hab mich so psychisch „zerfetzt“ gefühlt… und hatte z.T. tatsächlich das Gefühl am Rande des Wahnsinns zu stehen… Das ist in Worten gar nicht wirklich beschreibbar.
Davor lagen schon einige Jahre (!), in denen ich psychisch ziemlich stark angeknackst war…
Und ich weiss und verstehe sehr gut, wie es ist, sich allein und von aller Welt verlassen zu fühlen. Wie es ist, niemanden zu haben, dem man sich anvertrauen kann. Wenn man mit sich selbst ringen muss.
Wie es ist, wenn man von Selbstzweifel, Selbstvorwürfen, Ängsten, Zweifeln… regelrecht auf-, bzw. zerfressen wird.
Wenn man Nächte lang wach liegt, und die Gedanken einen in ihrem Kreisen nicht schlafen lassen… Wenn man sich in den Schlaf weint… die Seele vor Schmerz schreit…-Und keiner da ist der es hört…Keiner da ist, der einen in den Arm nimmt und sagt: „Alles ist gut.“
Und wenn es einem überkommt, den seelischen Schmerz, den kein anderer sehen oder nachempfinden kann, nach Außen sichtbar zu machen…

Ich habe, wenn ich ganz offen und ehrlich bin, fünf Jahre allein hier in Franken damit zugebracht, mich wieder vollständig zusammen zu flicken. Und habe es schlussendlich nur deshalb soweit geschafft, weil ich an den Punkt ankam an dem es hieß: „Entweder, ich schaffe es JETZT mich ALLEIN am Zopf aus diesem Sumpf heraus zu ziehen… Oder ich gehe unter…“
Es ging letztlich um meine Existenz… bis hin zu meinem „Sein“.-So abgedroschen, wie es vielleicht klingt.
Und ich HABE es geschafft. Ich habe meine von den Göttern gegebene Verantwortung für mein Leben, für mein Sein, für MICH als Wesen hier auf dieser Erde letztlich endlich in die Hand genommen…
Und ehrlich? Es war eines der aller schwersten Schritte für mich überhaupt! Vielleicht, weil er einfach Mut erfordert. Den Mut, für sich selbst einzustehen, sich selbst anzusehen, sich selbst wahrzunehmen in den eigenen Bedürfnissen, in den eigenen Wünschen und Träumen.
Und nicht nur wahr-zu nehmen, sondern auch anzunehmen und sich dafür einzusetzen. Sich für sich selbst stark zu machen, sich aufzurichten und zu sagen: „ICH will das!“ (Wobei wir da auch gleich bei dem (besonders in der Licht-und-Liebe-Harmonie-ist-existenziell-wichtig-Fraktion der „Eso-Szene“ gelandet sind) so verpöhnten und verschrienen „Egoismus“ wären… Aber das soll mal ein anderes Thema sein)
Und was es ebenso abverlangt ist schonunglose Selbstkritik und Offenheit sich selbst gegenüber. Ohne dies funktioniert es (meiner Meinung nach) nicht. Man kratzt vielleicht an der Oberfläche. Es bringt vielleicht hier und da auch einige Veränderungen in sein Leben, aber letztlich bleibt es dann doch oberflächlich.
Das Schwierige und „Fatale“ ist, das es bei manchen Dingen wirklich so ans eingemachte geht, dass man sich vielleicht völlig neu orden und definieren muss… Und nicht nur in Bezug auf sich selbst, sonder ggf. zu seinem Umfeld, seiner Familie, Freundeskreis… etc.
Die Fragen sind halt immer: Möchte man das? Was kann man gewinnen? Was aber auch verlieren? Was ist mir meine psychische Gesundheit, mein Glück, meine Zufriedenheit (und somit auch Lebensqualität), mein eigenes Wohlergehen Wert? Und was bin ich bereit, dafür zu tun, zu lassen oder/und aufzugeben?

Nein, einfach ist das wahrlich nicht. – Aber eben weil ich es selbst durchgemacht habe, weil ich das selbst durchlebt habe weiss ich auch, was möglich ist, wenn man es tatsächlich WILL.
Vor etlichen Jahren hat mir ein damaliger Freund immer wieder gesagt: „Du musst nur wollen. Wenn Du willst, schaffst Du das schon. Wenn Du nicht willst, dann sag es und trage die Konsequenzen. Aber handle nach Deinem Wort.“
Ich habe es damals nicht verstanden… Und ich habe es damals nicht umsetzen können. Ich „wollte“ einerseits-auf der anderen Seite hat es dann eben nicht funktioniert.
Von meinem heutigen Standpunkt aus sage ich, dass er zum Teil recht gehabt hat. Zum Teil, weil es eben nicht die ganze „Wahrheit“ ist.
„Zu wollen“ beinhaltet letztlich, dass ich auch meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Sehnsüchte etc. kenne, das ich sie wahrnehme(n darf).
Es bedeutet, das ich mich mit mir selbst auseinandersetze(n darf!) und das ich zu mir selbst, zu meinen Bedürfnissen „Ja“ sage.
Ist dies nicht gegeben, dann kann man noch so viel „wollen“.-Die Umsetzung wird (meiner Meinung nach) (fast) immer scheitern.

Sein Leben, sein Glück und seine Zufriedenheit in die eigene Hand zu nehmen, ist ein riesiger Schritt. Grade, wenn man in etwas „spezielleren“ Familienverhältnissen aufgewachsen ist (in der es z.B. hieß, dass die Familie das allerheiligste Gut ist und nie auch nur eine andere Beziehung die Intensität und Festigkeit, wie eine Familie sie hat, erreichen kann, und daher die Familie nie und nimmer „verlassen“ oder „verraten“ werden darf) , kann dies zu sehr, sehr starken inneren Konflikten (bis hin zu Loyalitätskonflikten) führen. – Und will ggf. auch gut überlegt sein. Auch hier gilt leider auch: Es muss jeder für sich entscheiden.
Die Angst vor der vermeintlichen Einsamkeit ist dann noch so ein weiterer Punkt…
Nicht ernst genommen zu werden in seinen Bedürfnissen (auch „Reden“ gehört dazu) ist meiner Meinung nach eines der schlimmsten Vertrauensbrüche, die einem widerfahren können. Deswegen nicht mehr mit anderen über Probleme, Ängste etc. zu sprechen, führt zwangsläufig dazu, dass wir dem anderen etwas vorspielen, das wir den anderen  (und auch uns selbst!) belügen, weil wir etwas vormachen, was nicht der Realität entspricht.
Schlimm auch deshalb, weil wir beginnen, selbst zu einem Kreislauf beizutragen. Denn merkt der andere, das wir etwas vorspielen, vielleicht auch noch etwas erfinden oder ähnliches… Wie soll derjenige uns dann ernst nehmen?
Ein weiterer Punkt, der damit auch gleichzeitig zusammen fällt ist, das wir mal den Blickwinkel verändern und schauen sollten, was es denn von UNS für ein Bild macht:
Da gibt es Menschen, die sich mit uns auseinandersetzen (möchten), die sich für uns interessieren… Und dann spielen wir ihnen auch noch etwas vor, weil wir ihnen misstrauen! Weil wir sie auf eine Stufe mit Menschen stellen, die unser Vertrauen missbrauchen/missbraucht haben. Schon mal daran gedacht, wie ungerecht und gemein das dem anderen gegenüber ist?

Ja, dann gibt es ja noch die Aussage, dass „die anderen“ einem ja auch das Gefühl geben, das man sie nervt und das man das ja sofort und gleich spürt…
Es ist schon ein wenig überheblich zu glauben, dass man die Gedanken der anderen wirklich kennt, oder nicht?
Und nur, weil man ein Gefühl hat, bedeutet das noch lange nicht, dass dieses Gefühl auch der Tatsache entspricht!
Wenn ich so ein Gefühl habe, dann steht es in meiner Verantwortung, mit dem anderen drüber zu sprechen!
Und habe ich in meiner Umgebung jemanden, der generell überhaupt kein Interesse an mir und meinen Befindlichkeiten hat… Dann muss ich mir ggf ernsthaft überlegen, ob es für mich gesund ist, das dieser Mensch ein Teil meines Lebens ist.
Und auch, wenn es sich dabei um den eigenen Ehemann, um den Bruder, die Schwiegermutter, die langjährigste Freundin, die Eltern oder wen auch immer handelt.

Möchte jemand weiterhin in solchen Strukturen bleiben… gern! Aber dann aus einer eigenen (freien) Entscheidung.
Aber egal wie man sich entscheidet: Man muss auch immer bereit sein, die damit verbundenen Konsequenzen zu tragen!
Und auch an dieser Frage („Will ich das oder will ich das nicht?“ ) hängt letztlich alles.
Fazit:
Jammern ist gesund, sich zu beklagen, wütend und oder traurig zu sein, seinen Unmut kund tun etc. pp. ebenfalls.
Und es gehört zur „Psychohygiene“.
Das entbindet uns aber nicht davon, unser Leben selbst zu bestimmen und unser Ruder selbst in die Hand zu nehmen und unser Schiff dorthin zu lenken, wo WIR es haben hin haben möchten.
Es entbindet uns nicht vom Selbstdenken und von unserer Selbstverantwortung.
Die „Schuld“ und die Verantwortung auf andere zu schieben ist zwar eine sehr bequeme und leichte Sache, ist allerdings auch nicht die ganze Wahrheit.
Und nicht zuletzt sind solcherlei Sprüchlein hoch manipulativ, gemein und ungerecht, und verhindern, dass wir anderen Menschen, die es wirklich ernst mit uns meinen vor den Kopfstoßen, bzw. überhaupt nicht in der Lage sind, diese wahr- und in ihrem Interesse und ihrer Wertschätzung ernst zu nehmen.

Es ist an sich ein Thema, zu dem es noch weit aus mehr zu sagen gäbe, aber ich möchte es heute einfach mal bei dieser doch recht oberflächlichen Betrachtung belassen.

Ich wünsche allen, die sich selbst auf ihrem Pfad befinden, dass sie die Kraft und den Mut finden, für sich selbst einzustehen, die Erkenntnis, das nur SIE den „Schlüssel zum Glück“ in den Händen halten und das es nie „zu spät“ damit sein kann :).

In diesem Sinne
LG
Siat

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